Leseprobe zu „Glücksfeuer – Regionales Liebeschaos“

Es vergingen ein paar Tage, ja zwei Wochen, und immer wieder kehrte Marie an jenen Platz zurück, an dem sie in die Augen des Mannes geblickt hatte, der sie so sehr faszinierte. Das Wasserrad war mittlerweile für sie zu einem „Sehnsuchtssymbol“
geworden.

Nicht ein einziges Mal ging sie zu diesem Bauwerk hinüber.
Immer nur von der anderen Seite des Bachlaufs blickte sie auf das Rad und wünschte sich nichts mehr, als jenen Menschen dort wieder zu sehen.

Harry hingegen hörte nicht auf, sie zu belästigen. Täglich wählte er mehrmals Maries Nummer. Vergebens. Sie nahm nicht ab. War verletzt und traurig, wollte ihn vergessen. Anne hingegen chattete häufig mit Hannes. Der hatte es ihr angetan.  Es fiel Marie schwer, Anne so glücklich und verliebt zu sehen.  Marie gönnte Anne ihr Glück nicht, wenn sie ehrlich war.  Glück, das Liebesglück, immer wieder in ihrem Umfeld zu spüren und selbst keines zu bekommen, ist nicht fair, dachte sie. Warum konnte denn nicht ein einziger kleiner Wunsch in Erfüllung gehen? Ein Wunder sollte diesen Mann in ihr Leben
zurückbringen, den Marie unbedingt kennenlernen wollte. Die Mittagspause war zu Ende und Marie beschloss, nicht über den Kurpark ins Büro zurückzulaufen, sondern über den Wurstmarktplatz.

Dort wurde schon fleißig aufgebaut. Das größte Weinfest der Welt findet alljährlich am 2. und 3. Septemberwochenende in Bad Dürkheim statt. Darauf warteten nicht nur die Ortsansässigen, sondern auch Gäste von nah und fern. Ein gemütliches Weinfest, wie es dies nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Winzer präsentieren stolz ihre Weine, die Fahrgeschäfte bringen Spaß und Begeisterung.

Marie konnte die Zeit, bis das Fest in diesem Jahr begann, kaum noch abwarten. Freunde treffen, in gemütlicher Runde beisammen sein, eine Schorle trinken. Das ist eine Art von Pfälzer Lebensqualität, die man hier erlebt und miterlebt. Marie bewunderte alljährlich den Aufbau der Fahrattraktionen, insbesondere den Aufbau des Riesenrades. Außerdem wurde sie auch dieses Jahr Zeugin bei der Errichtung der Schubkarchstände. Schubkarchstände sind kleine überdachte Zelte, in denen jedes Jahr viele Menschen Platz finden, um es sich dort an schmalen Holztischen und Holzsitzbänken gemütlich zu
machen. So manch einer hatte hier schon sein Glück gefunden. Nur Marie nicht.

Sie beschleunigte ihr Schritttempo, um wieder pünktlich im Büro zu erscheinen. Jede Menge Arbeit wartete dort auf sie. In bereits vier Wochen sollten alle ihre Entwürfe für die neue Schokolade und den Espresso fertig sein, an dem sie primär arbeitete.

Kein einfacher Job. Hatten doch ihre Auftraggeber spezielle Wünsche. Es war wirklich hart, an einem Namen für eine Schokolade zu arbeiten, dabei die ganze Zeit an leckere Süßigkeiten zu denken und selbst nichts naschen zu dürfen. Manchmal reichte allein schon der Gedanke an diese Schokolade aus, um schwach zu werden. Dann lief Marie in die Teeküche und suchte nach Süßigkeiten. Fand sie dann keine, wurde sie launisch und bekam Denkblockaden. Heute hatte sie Glück.